Ali, einer unserer ehemaligen Schüler von Abschiebung nach Kroatien bedroht

Wir haben traurige Neuigkeiten.
Letzten Februar sind uns drei Schüler besonders ans Herz gewachsen. Ali, Rasul und Dawood sind aus Afghanistan, sprechen gut Englisch und haben sehr schnell Deutsch gelernt. Sie gehören der bedrohten schiitischen Minderheit der Hazara an und haben teils für die Amerikanern gearbeitet. In Afghanistan, wo die Taliban wieder auf dem Vormarsch sind, konnten sie nicht bleiben. In Österreich hofften sie auf eine bessere Zukunft. Doch nach Monaten in Österreich sollen sie nach Kroatien abgeschoben werden. Ob sie dort ein faires Asylverfahren erwartet, ist äußerst ungewiss.

Danke an Claudia für den folgenden Text über Ali:

Ali ist 30 Jahre alt und kommt aus Ghazni, einer Provinz Afghanistans, in der sich die Sicherheitslage zuletzt massiv verschlechtert hat.  Wochenlang dauerte die Flucht von Afghanistan nach Österreich. Dabei stand Ali mehrmals lebensbedrohlichen Situationen gegenüber. Er hatte Glück. Er wurde nicht erschossen, er ist nicht abgestürzt auf den schmalen, holprigen Trampelpfaden durch die Berge und entlang der Klippen, er ging auch nicht verloren in der Dunkelheit der Wälder. Ende Jänner 2016 ist er in Österreich angekommen. Die ersten drei Monate hat er in Traiskirchen verbracht. Vom ersten Tag an hat er fleißig Deutsch gelernt im Verein „Deutschkurs für Traiskirchen“ und auch die  Deutschkurse im Erstaufnahmelager Traiskirchen hat er immer besucht.

Ali spricht ausgezeichnetes Englisch, da er in Afghanistan einige Jahre als Dolmetscher (Englisch/Dari) für die ISAF tätig war. Auch bei Connect Traiskirchen war er sehr beliebt, es war einfach gut einen Übersetzer zu haben, der für die anderen Asylwerber sprechen konnte. Seit Mai 2016 hat er im Weinviertel/NÖ ein neues zu Hause gefunden. Und es ist ein echtes zu Hause. Er hat dort mittlerweile viele österreichische Freunde. Menschen, die ihn sehr schätzen, weil er immer freundlich, immer hilfsbereit, immer höflich, zurückhaltend und bescheiden ist. Nach nur 8 Monaten hat er das Zertifikat A2 ÖSD erworben. Er hat freiwillige, gemeinnützige Arbeit am Bauhof und als Hilfsbademeister im Freibad geleistet. Wenn erforderlich begleitet er andere Asylwerber gerne zu Arztterminen oder anderen Terminen um zu übersetzen. Regelmäßigen geht er ins Pfarrzentrum zum „Kaffeetreff“ um sich mit Österreichern und anderen Asylwerbern zu treffen, um sich gegenseitig besser kennen zu lernen. Anfang Oktober, nach mehr als 9 Monaten, hatte Ali seine Einvernahme zu Dublin III.  Die Beamten interessierten weder seine Deutschkenntnisse belegt durch das frisch erworbene A2 Zertifikat, noch seine freiwillige Arbeit in Österreich. Auch dass er bereits Freundinnen und Freunde gefunden hat und viele Menschen sich für ihn einsetzen war egal. Ihm wurde angekündigt, er solle jedenfalls mit einer negativen Entscheidung rechnen. Ali hat keinen Fingerabdruck in Kroatien doch seine Ehrlichkeit und Informiertheit wurde ihm zum Verhängnis. Hätte er beim ersten Interview angegeben, er wüsste nicht, durch welche Länder er gereist war, hätte er einfach sein Asylverfahren in Österreich haben dürfen.
Als ich ihn fragte, ob wir über in schreiben dürfen, sagte er: „Ja, natürlich, für mich ist es wahrscheinlich schon zu spät, aber hoffentlich hilft es anderen Asylwerben“ Diese Worte sagen alles über Ali aus. Für jede Hilfe die ihm zu Teil wird, ist er dankbar und versucht sie zurückzugeben. Er ist ein Musterbeispiel für Integrationswilligkeit – ein Flüchtling mit dem Potential innerhalb kürzester Zeit einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, wenn wir ihm nur die Chance dazu gäben. Er ist eine Bereicherung für uns alle und wir sind dankbar, dass wir ihn kennen gelernt haben und wir wollen nicht, dass er nach Kroatien abgeschoben wird.

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3 Antworten zu Ali, einer unserer ehemaligen Schüler von Abschiebung nach Kroatien bedroht

  1. Josef Martin schreibt:

    Wieder mal ein beschämendes Beispiel für unsere Politik.

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  2. Pingback: Liste der dokumentierten Fälle von (drohenden) Dublin-Abschiebungen | Flüchtlinge Willkommen!

  3. Meyer Brigitta schreibt:

    Es ist eine Schande wie man mit Menschen die Schutz und Hilfe suchen umgeht !
    Ich schäme mich für diese Politik !

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