Grammatik

Tipps und Tricks zur Vermittlung der Grammatik

Wer sich vorgenommen hat, Flüchtlingen die deutsche Sprache zu vermitteln, sollte keine Scheu vor dem Thema „Grammatik“ haben. Viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, müssen allerdings von den Deutschschülern erst durch ein Regelwerk erlernt werden. Oftmals sind wir uns selbst der Regeln nicht bewusst, und die Schulzeit liegt meist auch schon viel zu lange zurück, um diese Regeln aktiv im Gedächtnis zu haben. Es ist daher auch für uns eine gute Gelegenheit, sich eingehend mit der deutschen Sprache zu befassen und einige Themen aufzufrischen. Das Kursmaterial, wie auch viele aufschlussreiche Links machen diese Aufgabe kinderleicht!

Anmk.: In den folgenden Absätzen bezieht sich „Level“ auf die Unterlagen von Klosterneuburg hilft. Link: http://deutsch.fit/Deutschkurs/

  1. Beginnen wir mit den VERBEN in der Gegenwart!

Mit der Grammatik zu beginnen ist ratsam, wenn die Schüler bereits alphabetisiert sind, Level 1 abgeschlossen haben und sich bereits einige Standardphrasen (Wie geht es dir? Wie heißt du? Ich wohne in Traiskirchen…..) eingeprägt haben. Ratsam ist es dann, gemäß Level 2 mit den Verben „haben“ und „sein“ zu beginnen, da diese die Schüler konstant benötigen. Sie sollen bereits einfache Sätze bilden, was uns die Möglichkeit gibt, gleich von Anfang an den einfachen Satzbau eines Hauptsatzes zu erläutern:

SUBJEKT + VERB + OBJEKT

Tipps hierzu:

  • Das Subjekt ist der „Hauptakteur“ im Satz, wie ein Schauspieler im Film
  • Weise darauf hin, dass das Subjekt an 1. oder 3. Stelle im Satz positioniert werden kann
  • Beim Ausdruck „Verb“ bleiben, da Prädikat noch zu Verwirrungen führen kann
  • Das konjugierte Verb steht IMMER an 2. Stelle im Satz – vielgeliebte Ausnahmen in der deutschen Sprache bestätigen die Regel: In der Frage ohne Fragewort steht das Verb an 1. Stelle
  • Subjekt und Verb bestimmen, was mit dem Objekt passiert
  • Eine farbliche Aufteilung zur besseren Visualisierung ist ratsam

Nach ausreichenden Übungen mit „haben & sein“ kann direkt zur Konjugation der regelmäßigen und unregelmäßigen Verben übergegangen werden. Es empfiehlt sich, die Konjugation der Verben im Chor wiederholt aufzusagen, fast so wie ein Lied gesungen wird. So prägt man sich das Verb nicht nur als Wort, sondern auch als eine Art „Gesang“ ein.

Man kann die Schüler darauf hinweisen, dass sich bei aller Unregelmäßigkeit auch eine gewisse Regelmäßigkeit erkennen lässt: Im Präsens ändern sich meist die zweite und dritte Person Singular (Ausnahme der Ausnahme: Modalverben, wissen): Aus „e“ wird „i“, aus „a“ wird „ä“ ….

  1. Auf in den Kampf mit den Fällen – Level 3!

2.1. In vielen Sprachen gibt es sie nicht, die vielbesungenen Fälle! Also müssen wir auch hier in die Trickkiste greifen, um dem Thema die Komplexität zu nehmen und eine einfache Vermittlung zu ermöglichen. Wir berufen uns dabei auf die bereits eingangs erwähnte Satzstellung und erklären den 1. Fall/NOMINATIV. Achtung:

  • Die Fragewörter „wer“ oder „was“ sind nur beschränkt sinnvoll, da mangels entsprechender Fälle in der Muttersprache die Fragewörter in anderen Sprachen möglicherweise nicht konjugiert werden und immer „wer“ lauten, wobei „was“ sowohl Akkusativ als auch Nominativ bedeuten kann.
  • Auf Farsi gibt es einen 4. Fall, der mit der Nachsilbe -ra gebildet wird. Bei den Fragewörtern kann man Wer? und Wen? unterscheiden: Wer? = Ki?; Wen? = Ki-ra?
  • Verwendet den Hinweis, dass es in einem Hauptsatz nur EIN Subjekt und daher nur EIN Nominativ gibt
  • Neue Nomen sollen immer mit dem entsprechenden Artikel notiert werden
  • Verwendet das Lehrmaterial Level 3!

2.2. Als nächster Fall bietet sich der AKKUSATIV an, da er nach dem Nominativ noch am einfachsten und bei femininen und neutralen Nomen, sowie im Plural mit dem Nominativ deckungsgleich ist. Tipps:

  • Den Akkusativ anhand von Satzbeispielen erklären, in denen alle drei Geschlechter, sowie der Plural vorkommen.
  • Das Verb und die Präposition (ohne, durch, …) bestimmen den Casus bzw. im aktuellen Fall den Akkusativ.
  • Bringe viele neue Verben und Vorwörter ein, die den Akkusativ verlangen und überlasse es den Schülern Sätze zu bilden – sehen, lesen, lieben, küssen, putzen, fragen, grüßen
  • Wenn ihr Übungen macht, frage nach der Übersetzung in die Muttersprache. Dann wird sofort klar, ob der Inhalt verstanden wurde oder nicht.
  • Nutze flinke Schüler mit rascher Auffassungsgabe, den Schwächeren die Regeln in der Muttersprache zu erklären. Dies gilt übrigens für ALLE KAPITEL als Faustregel zur Überprüfung, ob Erklärtes verstanden wird bzw. als Unterstützung für den Lehrenden.

2.3. Ist die erste Hürde mal geschafft, dann ist der nächste Fall, der DATIV, fast ein Kinderspiel! Das Konzept ist klar, die Vorgangsweise ähnlich, angeführt werden nun bloß neue Verben und Präpositionen, die den Dativ verlangen: geben, helfen, schenken, danken, gehören, antworten, glauben, raten, mit, zu, …. Last, but not least hätten wir noch den GENETIV, der zwar zu erwähnen ist, aber nicht allzu viel Zeit beanspruchen sollte. Bei Schülern mit Englischkenntnissen kann auf das Pendant in der englischen Sprache in Kombination mit „of“ verwiesen werden – the book of the boy (rather than the boy‘s book).

Generelle Tipps zu den Fällen:

  • Immer Singular und Plural gemeinsam durchnehmen
  • Vergesst nicht auf das Spezifikum im Dativ Plural hinzuweisen – den + Nomen + n – den Schülern, den Kindern, den Tischen, …
  • Mehrere Nomen in verschiedenen Geschlechtern in allen Fällen aufsagen und aufschreiben lassen
  • Verwendet den deutschen und den lateinischen Begriff, denn die Schüler lesen im Internet nach und werden mit beiden Ausdrücken konfrontiert
  • Liste der Verben mit Dativ und Akkusativ wird gern nachgefragt: https://www.deutschakademie.de/online-deutschkurs/dativ-akkusativ-list-verbs.php
  • Pro Satz gibt es nur 1 x Nominativ und 1 x Dativ – diese kleine Notlüge kann am Anfang zur leichteren Orientierung helfen
  • Die Frage nach dem Ort – WO – verlangt DATIV. Wo liegt das Heft? Auf dem Tisch.
  • Die Frage nach der Richtung – WOHIN – verlangt AKKUSATIV. Wohin lege ich das Heft? Auf den Tisch.
  • Der Buchstabe M ist im Dativ männlich omnipräsent: dem, wem, ihm
  • Der Buchstabe N gehört zum männlichen Akkusativ: den, wen, ihn

Sobald das Konzept sitzt, sollte man mit kombinierten Sätzen beginnen, die sowohl ein Objekt im Dativ, als auch im Akkusativ aufweisen: Der Vater schenkt der Mutter das Buch.

2.4. Nach ausreichender Übung kann auch der unbestimmte Artikel in Angriff genommen werden, jedoch kann dieses Kapitel auch auf später verschoben werden. Was sich allerdings für alle Fälle anbietet, wären die PERSONALPRONOMEN im Dativ und Akkusativ. Hierzu können Übungssätze verwendet und die Nomen durch Pronomen ersetzt werden:

Der Vater schenkt der Mutter das Buch. Er schenkt es ihr. – Achtung: Hinweis auf veränderte Wortstellung! Am besten zuerst mit einfachen Hauptsätzen beginnen und stufenweise die Komplexität steigern.

  1. Eine neue Zeit – die ZUKUNFT

Das Konzept „zweiteiliger Verben“ ist nicht in allen Sprachen präsent, kommt aber doch sehr häufig vor. Einzigartig allerdings ist die deutsche Sprache in der Platzierung der Verben:

  • An 2. Stelle im Satz das konjugierte Hilfsverb
  • Am Ende des Satzes das Hauptverb – im Falle der Zukunft im Infinitiv

3.1 Die Zukunft ist relativ einfach zu bilden und erlaubt dieses Konzept der Verben leicht verständlich zu vermitteln. Auf diesen Zug des Verständnisses könnte man aufspringen und auch gleich die „Modalverben“ einflechten, da diese sehr häufig gebraucht werden. Tipps:

  • Nutzt die Begriffe Hilfsverben und erläutert, dass sowohl Modalverben als aus Hilfsverben der Zeit helfen, den Vorgang im Satz zu präzisieren. Verwendet einen Satz in der Gegenwart mit und ohne Modalverben. Damit soll die Sinnveränderung verdeutlicht werden.
  • Startet in der Zukunft mit einfachen Sätzen ohne Objekt: ich spiele, ich werde spielen. Ich darf spielen. Fügt dann bildlich und bunt das Objekt zwischen Hilfs- und Hauptverb:
    Ich werde mit Freunden spielen. Ich darf mit Freunden spielen.
  • Bei den Übungen die Sätze in beide Zeiten setzen, sodass der Unterschied geübt wird.

Der Lehrer (sprechen) mit den Schülern.

Der Lehrer spricht mit den Schülern.

Der Lehrer wird mit den Schülern sprechen.

Der Lehrer muss mit den Schülern sprechen.

Der Lehrer wird mit den Schülern sprechen müssen.

3.2 Die Zukunft hilft nicht nur das zweiteilige Verb zu verstehen, sondern stellt auch den logischen Übergang zum Kapitel der „Trennbaren/Nicht trennbaren Verben“ dar. Denn bei den trennbaren Verben wird das Präfix in der Gegenwart ans Ende des Satzes gestellt, während in der Zukunft der zusammngesetzte Infinitiv angewandt wird. Die Schüler sollen sich die Präfixe, die trennbar sind, einprägen, um auch selbständig an neuen Vokabeln die Trennbarkeit zu erkennen. Diesen Link werdet ihr sehr hilfreich finden: http://www.mein-deutschbuch.de/lernen.php?menu_id=30

Tipps:

  • Auch im Kapitel der tb/ntb Verben beide Zeiten üben – mit und ohne Modalverben
  • Im Unterricht die Übungssätze laut lesen, vorsagen und aufschreiben lassen
  • Nicht darauf eingehen, sämtliche Präfixe eines Basisverbs anzuführen, denn das bringt nichts, sondern die Vokabeln nach Notwendigkeit erklären

4. Von Vergangenem erzählen – die Vergangenheit/das Perfekt

Die Vergangenheit sollte vor der Mitvergangenheit behandelt werden, da sie in der gesprochenen Sprache präsenter ist und häufig schon in diversen Basissätzen des ersten Levels angeführt wurde. Es empfiehlt sich, die Vergangenheit sowie all ihre lateinischen Begriffe anzuführen, und das Kapitel erst nach der Zukunft und nach den tb/ntb Verben durchzunehmen. Man beginnt meist mit der Bildung des Partizips regulärer Verben und der Verwendung von „haben“. Die Bildung des Partizips II kann in folgende Gruppen eingeteilt werden

  1. Gruppe der regelmäßigen Verben – mit „ge-“Endung auf -t
  2. Gruppe der unregelmäßigen Verben – mit „ge-„ Endung auf – en
  3. Gruppe der trennbaren Verben – mit „ge“, allerdings zwischen Präfix und Basisverb – angezogen
  4. Gruppe der nicht trennbaren Verben – ohne „ge“ – z.B. verkauft
  5. Gruppe der Verben auf –ieren – z.B. diskutierten, musizieren – musizierten, rasieren – rasierten

Hier ein sehr sinnvoller Link zu den unregelmäßigen (Basis)Verben: http://www.graf-gutfreund.at/daf/02grammatik/01verb/01indikativ_aktiv/02perfekt/gr2_verbliste_leer.pdf Die Wörter sollen in die Muttersprache übersetzt werden!

Die Bildung der Vergangenheit mit dem Hilfszeitwort „sein“ kann einfach vorerst auf die Verben der Bewegung beschränkt werden: fahren, gehen, laufen, schwimmen, springen, rennen

Achtung: Nehmt euch vor Fallen in Acht. Leicht lässt man sich dazu hinreißen, dass Zustandspassiv als Vergangenheit mit „sein“ zu verkaufen: Ich bin am 1.1.2000 geboren. Ich bin verletzt. – Zustandspassiv der Gegenwart!

5. Reflexive Verben

Nach all diesen komplexen Kapiteln darf man nicht vergessen, auf die Satzstellung hinzuweisen – hier gilt noch der Hinweis auf Kapitel 1! Denn bei den reflexiven Verben beginnen nun die Verwirrspiele, wohin welches Wort zu setzen ist. Bitte bedenkt bei den Erklärungen:

  • Das Reflexivpronomen steht prinzipiell gleich nach dem KONJUGIERTEN Verb (Hilfs- oder Hauptverb, je nach Zeit)
  • Steht das Subjekt an 3. Stelle, so folgt das Reflexivpronomen nach dem Subjekt
  • Das Reflexivpronomen steht in Verbindung mit dem reflexiven (rückbezüglichen) Verb und bezieht sich auf das SUBJEKT, während alle anderen Dativ- oder Akkusativpronomen das Nomen im Objekt ersetzen und das Resultat transitiver Verben sind.
  • Es gibt sogenannte „unechte reflexive Verben“, die sowohl mit als auch ohne Reflexivpronomen bzw. reflexiv oder transitiv sein können: jmd. ärgern – sich ärgern, etw. waschen – sich waschen, jmd. vorstellen – sich vorstellen

Dieser Link ist sehr hilfreich, zumal er eine sehr übersichtliche Einteilung von reflexiven Verben mit Akkusativ- und Dativpronomen beinhaltet.  http://deutsch-als-fremdsprache-grammatik.de/DaF/reflexiveverben.pdf

6. Verneinung

Info folgt

7. Mitvergangenheit/Imperfekt/Präteritum

Info folgt