Tipps und Tricks fürs Unterrichten

Gleich vorne weg, traut euch! Ihr könnt nichts falsch machen! Die Flüchtlinge sind sehr dankbar für alle Menschen, die sich ein bisschen Zeit für sie nehmen. Außerdem sind sie geduldig und an neue Lehrende, die ein bisschen brauchen, um sich in ihre Rolle einzufinden, gewöhnt 🙂

Homogene Gruppen

Versucht, mit einer möglichst homogenen Gruppe zu arbeiten. Wenn ihr mit Anfängern arbeitet, dann macht auch tatsächlich Programm für Anfänger. (Sitzen trotzdem Fortgeschrittene dabei, können sie euch beim Erklären helfen.) Wenn ihr mit Fortgeschrittenen arbeitet, dann nehmt keine Anfänger dazu.
Das lässt sich nur umsetzen, wenn ihr euch mit den anderen Unterrichtenden absprecht, und wisst, wo Anfänger und wo Fortgeschrittenengruppen sind. An den Wochenenden kümmern wir uns darum, dass das klappt, unter der Woche müsst ihr euch untereinander absprechen!

Sprechen

Wichtig ist es auch, die Flüchtlinge zum Sprechen zu bringen. Für eine ganz einfache Übung braucht ihr nur einen Ball: Ihr sitzt im Kreis, und die Lehrerin hält den Ball in der Hand und sagt: “Ich heiße …”, dann fragt sie: “Wie heißen Sie?” und wirft einem Flüchtling den Ball zu. Dieser muss dann sagen “Ich heiße…. Wie heißen Sie?” und jemand anderem den Ball zuwerfen. Gleiches gilt für „Wie geht es Ihnen?“ und „Woher kommen Sie?“
Wir haben uns dafür entschieden, standardmäßig zu siezen. Die Flüchtlinge werden vor allem am Anfang viel mit Behörden und Autoritätspersonen zu tun haben. Da schadet es nicht, wenn sie immer höflich sind!

Schreiben

Wenn ihr mit einer Gruppe arbeitet, die lateinische Schrift beherrschen, hilft es euch sehr, wenn ihr viel Papier zum Phrasen aufschreiben dabei habt.
A3 Papier ist nützlich. Die etwas Fortgeschritteneren fragen auch oft nach Phrasen, die sie interessieren.
Achtet darauf, dass alle Flüchtlinge auch die Möglichkeit haben, sich Notizen zu machen. Viele haben schon Hefte und Stifte. Wenn sie nichts dabei haben, gebt ihnen Schmierpapier und Stifte!
Mit Menschen, die unsere Schrift nicht beherrschen, ist es einfacher, zuerst wichtige Phrasen nur übers Gehör zu erarbeiten. (Siehe Sprechen)

Bewegung

Mit den Worten “gehen”, “stehen”, “sitzen”, “laufen” und “springen” kann man Bewegung mit Deutsch lernen verknüpfen. Z.B. kann man Abwandlungen von „Simon says“ spielen. Das geht dann so: Du stehst mit den Flüchtlingen im Kreis und sagst an, was sie tun sollen, z.B. „Gehen“. Am Anfang machst du immer das Gleiche wie sie, damit sie sich die Worte merken. Sobald das klappt, sagst du weiterhin etwas an, machst aber etwas anderes. Sie müssen dann natürlich tun, was angesagt wurde, nicht was du tust 😉

Außerdem könnte man so auch Personalpronomen üben: Alle stehen im Kreis, und du sagst an: „Wir gehen“, dann müssen alle auf dem Platz gehen. Danach sagst du z.B. „Ich springe“, und fängst zu springen an. Die Flüchtlinge dürfen jetzt natürlich nicht springen! Bei „Ihr lauft“ müssen die Flüchtlinge laufen, und du tust weiter, was du gerade getan hast.
Ausprobiert habe ich dieses Spiel mit den Personalpronomen noch nie. Wenn ihr es ausprobiert und es klappt, freue ich mich über Rückmeldungen!

Mit Uno-Karten

Danke Susi für die Tipps!

Klassisch: Einfach Uno spielen, aber immer alles laut sagen (also, wenn ich eine rote zwei hinlege, muss ich das auch sagen; um Farben und Zahlen zu üben).

Vereinfacht: man zieht der Reihe nach Karten und jeder sagt Farbe und Zahl, die drauf steht.

Rechenvariante: man zieht eine Karte, sagt was draufsteht und gibt sie weiter. Der nächste zieht wieder eine Karte, sagt was draufsteht und rechnet den Wert mit dem Wert der Karte, die er vom Vorgänger erhalten hat, zusammen und so weiter. Alternativ kann derjenige, der die Karte weitergibt auch bestimmen, ob sie plus oder minus gerechnet werden soll. Viele rechnen gerne. (Einfache plus/minus Rechnungen sind für fast alle kein Problem, und damit zeigen sie teilweise auch, dass sie „was können“).

Sprachspiele mit Bildkarten

Dafür müsstet ihr Material basteln! Danke Susi für die Tipps! Wir nehmen übrigens gern alte Kindermemorys!

Memory: auf einer Karte steht das Wort, auf der anderen war der Begriff aufgemalt. Wenn sie die Zeichnung aufgedeckt haben, mussten sie zusätzlich aber immer auch das Wort sagen und wenn sie ein Wort aufgedeckt haben, mussten sie zeigen, was es ist (zB bei einem Schuh auf den eigenen Schuh zeigen).

Farben/Dinge: einen Stoß mit Karten, auf denen Farben waren und ein Stoß mit Dingen. Jeder hat der Reihe nach immer zwei Karten aufgedeckt und musste z.B. sagen: Ich trage eine rote Hose (Karten waren „Rot“ und „Hose“); geht natürlich auch nur mit einem Stapel. Für Fortgeschrittene kann man auch unterschiedliche Kategorien mischen und damit auch Phrasen mischen (ich trage eine ROTE HOSE; meine HAARE sind BRAUN; ich esse gerne GELBE BANANEN); wenn dabei komische Sätze (z.B. blaue Bananen) rauskommen, ist es nur lustig.

Buchstabieren

Es hilft den Flüchtlingen, ganz klassisch buchstabieren zu können. Vielleicht müssen sie bei Behörden ihren Namen buchstabieren, oder es wird ihnen eine Adresse buchstabiert. Es zahlt sich also aus, das zu üben! Hangman ist natürlich nützlich!

Diese Liste würden wir gern laufend ergänzen! Wenn ihr etwas Neues ausprobiert habt, und das hat gut funktioniert, schreibt uns doch bitte!

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6 Antworten zu Tipps und Tricks fürs Unterrichten

  1. Eva Luckeneder schreibt:

    Fuer kleinere Kinder: einen buchstaben in die mitte legen – im kreis herum dann andere Buchstaben legen Das Kind soll dann von der Mitte zu andern buchstaben huepfen zB.: ein M in der Mitte, ein A im Kreis, im zweiten Kreis wieder ein M und dann ein A. So heisst das wort MAMA, oder PAPA oder HENNE oder PUPPE usw. Hier gibts viele Moeglichkeiten fuer die 5-6-7 j
    jaehrigen.

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    • fhelene64 schreibt:

      Das geht wahrscheinlich auch mit Jugendlichen, die unser Alphabet nicht beherrschen 🙂

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      • geli222 schreibt:

        Das geht auch sehr gut mit Erwachsenen, die unser Schriftsystem nicht kennen. Man kann auch schon gelernte Wörter (oder Lautkombinationen) einzeln auf Papier schreiben und die Lernenden darauf gehen und lesen lassen. Damit verfestigt sich das schon Gelernte, weil man es mit anderen Sinnen wahrnimmt.
        Oder Wörter teilen und dann zusammen finden lassen: Ma-ma, O-ma, Lam-pe usw. Wichtig ist, dass die Lernenden die Buchstaben- Kombinationen schon kennen.

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  2. Gabriele Selb schreibt:

    mit WÜRFEL arbeiten: z. B. auf ein großes Stück Papier 6 Sätze schreiben wie „Hallo, ich heiße … wie heissen Sie?“ oder „ich komme aus ….. woher kommen Sie?“ usw.
    neben jedem Satz eine seite des würfels aufzeichnen (1 auge, 2 augen usw.)
    jeder würfelt und vervollständigt den Satz den der erwürfelt hat

    mit SPIELKARTEN Alphabet lernen
    alte Spielkarten bekleben mit jeweils einem Buchstaben und Wort (z. B. A und Apfel) und mit einem Bild (Apfel)
    gemeinsam 6 Buchstaben durchgehen, gemeinsam wiederholen lassen, dann die nächsten 6 Buchstaben
    dann ein Spiel daraus machen.jeder bekommt Spielkarten, einer beginnt und legt eine Bildkarte in die Mitte und sagt das Wort dazu, jeder sucht in seinen Karten den passenden Buchstaben dazu
    je öfter es wiederholt wird umso besser

    viel Spaß

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  3. Marlies Thuswald schreibt:

    Mit einem WÜRFEL lassen sich auch VERBEN bzw. Konjugation sehr gut üben. Jede Würfelzahl entspricht einer Person (1 = ich, 2= du, 3= er/sie/es, 4 = wir, 5 = ihr, 6 = sie). Je nachdem, was gewürfelt wurde, können die Lernenden dann mit den Verben, die geübt werden sollen, einfache Sätze bilden. (z.B. 1 trinken > Ich trinke Wasser.) Das Spiel lässt sich beliebig erweitern. 🙂

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